Die Vermehrung

Jeder Schlangenhalter sollte sich zum Ziel machen seine Schlangen zur Vermehrung zu bringen, weil dadurch Nachzuchttiere aus der Natur entbehrlicher werden. Es ist auch spannend selbst mit anzusehen wenn nach dem Winterschlaf, die Paarung und die Trächtigkeit , die Eiablage und danach die Inkubation der Eier Jungschlangen zur Welt kommen.



Geschlechtsbestimmung

Für die Vermehrung ist es für einen unerfahrenen Schlangenhalter sehr schwierig Männchen und Weibchen zusammen zu bringen, mit etwas Erfahrung lassen sich die Unterschiede feststellen. Männchen haben längere Schwänze als Weibchen, auch die Schwanzform ist anders, beim Männchen verjüngt sich die Schwanzspitze nur allmählich, ist also am Schwanzansatz (bedingt durch die Hemipenis) dicker wie beim Weibchen und ist bei einem adulten Tier 5-8 cm.
Bei einem Weibchen nimmt das Schwanzende direkt nach der Kloake ab und wird rasch schmaler.

Ermittlung der Schuppenwerte
Die Geschlechtsunterschiede kann man auch bei der Bauchschilde (Ventralia) und der Schuppen auf der Schwanzunterseite (Subcaudalia) erkennen, die Männchen haben 5-6 Ventralia weniger wie die Weibchen und dafür mehr Subcaudalia. Allerdings ist das sehr stressig für die Schlangen und kann aus dem Grund nicht empfohlen werden. Einfacher ist es das Natterhemd zu zählen.
Falls das Natterhemd zusammengeschoben ist legt man es etwas ins Wasser und zieht es dann auseinander, die Differenz Ventralia minus Subcaudalia bringt einen geringen Überlappungswert von Männchen und Weibchen ist also aussagekräftiger.

Ausstülpen der Hemipenes
Das Ausstülpen der Hemipenis darf nur von einem Schlangenhalter mit größter Vorsicht vorgenommen werden. Das Ausstülpen bei Jungtieren heißt auch poppen, und wird mit sanften Druck mit dem Daumen auf den Schwanzwurzelbereich ausgeführt. Bei dem Männchen kann man ein 3-7 mm langes Gebilde sehen beim Weibchen nicht.

Sondieren der Hemipenistaschen
Bei einem erfahrenen Züchter und bei adulten Kornnattern kann man mit einem stumpfen , am Ende knopfartigen verdickten Metall- oder Kunststoffstab (Knopfsonde) prüfen ob Hemipenistaschen vorhanden sind oder nicht. Bei adulten Männchen gleitet die Sonde mehrere
Zentimeter tief hinein , bei Weibchen hingegen kaum da sie nur einen kleinen Hohlraum haben. Die Sonde wird mit Wasser oder Gel gleitfähig gemacht und dann vorsichtig in die Kloake eingeführt, und nur ganz wenig Druck ausgeübt um Verletzungen zu vermeiden.


Geschlechts- und Zuchtreife

In der Regel erreichen Kornnattern nach 2 Jahren die Zuchtreife, manche bei guter Fütterung und ohne Winterruhe schon mit 1 Jahr. Bei Männchen ist es problemlos sie schon zur Zucht zu nehmen, bei Weibchen allerdings erst mit 3 Jahren empfehlenswert. Ein Weibchen sollte mindestens 250-300 g haben bis man es zur Zucht nimmt , da Weibchen die zu früh trächtig werden ,sonst dabei sehr geschwächt werden und manchmal davon sich sehr schlecht erholen und auch schlecht wachsen. Eine Kornnatter kann auch mit 20 Jahren sich noch fortpflanzen.


Winterruhe

Es wird empfohlen eine 2-3 monatige kühle Überwinterung, es ist sinnvoll zur Fortpflanzungsstimulierung und dann haben Tiere mit Winterruhe eine längere Lebenserwartung. Aber es ist nicht Voraussetzung für die Fortpflanzung, aber eine Überwinterung liegt in der Natur, und kommt ihnen zugute. Der Verdauungstrakt der Schlange sollte entleert sein damit die Nahrung nicht in Fäulnis übergeht. Darum sollte die letzte Fütterung mehrere Wochen davor sein, dann ist auch das stressige Baden nicht notwendig. Sollte sich eine Häutung noch bemerkbar machen die noch abwarten bevor man überwintert. Man kann sie in Terrarium überwintern oder in einem eigens dafür vorgesehenen Behälter. Man sollte die Schlange mit einer 20cm dicken Laubschicht zudecken und das Terrarium bis auf 8 grad herunter kühlen, falls das nicht möglich ist müssen sie in einen anderen Behälter. Entweder in den Kühlschrank oder in den Keller bringen, die Übergangszeit 18-10 Grad fängt die Schlange an die Aktivität zu reduzieren und bei der eigentlichen Winterruhe sollte die Temperatur bei 7-10 Grad liegen. Unter 5 Grad darf es nie sein weil sie dann sterben könnten. Man sollte sie während der Zeit in Ruhe lassen und nicht stören und nur alle 2-3 Wochen kontrollieren (Temperatur). Mitte Februar bis Mitte März bringt man sie wieder schrittweise auf normale Temperatur. Eine warme Überwinterung wird bei 14-15 Grad und ohne Beleuchtung durchgeführt. Eine Zeit von 3-6 Wochen sind ratsam. Wenn man nicht überwintert sollte man wenigstens die Beleuchtungsdauer verkürzen und die Temperatur das der Stoffwechsel der Natter verlangsamt wird. Man kann zwar noch füttern aber in größeren Abständen und kleine Futtertiere. Manchmal nehmen sie gar kein Futter zu sich.


Check up Winterruhe


—2-4 Wochen vorher nicht mehr füttern

—Häutung abwarten

—die Beleuchtung über einen Zeitraum von 4 Wochen langsam absinken

—Temperatur niemals unter 5 Grad sinken lassen

—während der Winterruhe nicht füttern, aber immer sauberes Wasser bereitstellen

—Kontrolle alle 2-3 Wochen sonst Störungen vermeiden

—Mitte Februar oder März langsam schrittweise erwärmen


Das Überwinterungsterrarium

—Behälter aus Kunststoff, Holz oder Glas, wichtig gut schließen (Ausbruchgefahr)

—Isolierung mit Styropor wegen Temperaturschwankungen

—feuchte Lauberde oder Falllaub eignet sich gut

—mehrere Rindenstücke eignen sich zum Verstecken

—stets sauberes Wasser



Die Paarung

Bei den Weibchen fängt die Fortpflanzungsperiode schon nach der ersten Häutung nach der Winterzeit. Aber manche Männchen sind schon vor der Häutung paarungsaktiv. Kornnattern können sich gegenseitig an Geruchsstoffen erkennen. Leider bewegen sich paarungsaktive Männchen auf alle Schlangen zu , auch auf Männchen und da kann es auch passieren das es dann zu Kommentkämpfen kommt (Ritualkämpfe um Revier und Weibchen) , aber meist gehen sie ohne Verletzungen von statten. Die Schlangen umschlingen sich und versuchen sich gegenseitig niederzudrücken. Wenn sich aber Männchen und Weibchen treffen paaren sie sich , indem das Männchen das Weibchen verfolgt bis es dann zur Paarung kommt. Dabei kriechen sie gemütlich durch Terrarium oder hetzen sich gegenseitig .Das Männchen umschlingt den Schwanz des Weibchen und versucht seine Kloake auf die Kloake des Weibchen zu plazieren und schiebt dann den Hemipenis dort hinein .In dem Moment sind sie ganz still und bewegen sich nicht , da der Hemipenis mehrere Stachel hat findet er guten Halt. Diese könnte bei einer gewaltsamen Trennung zu sehr schweren Verletzungen führen. Darum darf man sie nicht dabei stören oder trennen. Das Vorspiel kann 1 Stunde dauern aber der Akt selbst nur 10-30 Minuten. Paarungen können das ganze Jahr über sein außer in der Winterruhe, aber meist ist es nach der Winterruhe. In der Natur ist es vermutlich ein Gelege pro Jahr in einem Terrarium können es auch 2 sein.


Trächtigkeit und Eiablage

Die Trächtigkeit kann man meist bemerken wenn das Weibchen keine Lust mehr zur Paarung hat und dem Männchen aus dem Weg geht. Die Kornnatter ist eierlegend (ovipar) und sie kann auch unbefruchtete Eier ablegen es sollte deshalb immer ein Eiablageplatz zur Verfügung gestellt werden. Bei der Trächtigkeit ist es wichtig das Weibchen wenig Stress auszusetzen und gegenfalls das Männchen umzusetzen, hochträchtige Tiere nehmen unter Umständen keine Nahrung zu sich und verharren an einer Stelle und erst kurz vor der Eiablage züngeln sie unruhig durch die Gegend. Wenn sie dann einen Platz gefunden hat wird sie wieder ruhig und verharrt an der Stelle. Meist häutet sich die Schlange 2 Wochen vor der Eiablage und dann sollte der Eiablageplatz gesichert sein mit:

1. Substrat mindestens 10cm hoch und erdfeucht

2. Temperatur zwischen 22-28 grad

3. Volumen der Höhlung sollte nicht zu groß sein da die Natter ein Sicherheitsgefühl für ihre Eier braucht


Da Schlangen nicht in der Lage sind spezielle Höhlen zu bauen sind sie daher auf den Mensch angewiesen , in der Natur setzen sie ihre Eiablage meist unter Steine, Baumstämme oder in verlassene Nagetierhöhlen . Im Terrarium wäre es am besten ein Stück Rinde, unter einer Wurzel, in einem Blumentopf oder ein Kasten. Die Konturen der Eier kann man im fortgeschritten Stadium sehen und findet sie dann noch keinen Platz kann das die Eiablage verzögern und das zehrt an den Kräften der Schlange. Im Extremfall kommt es zur Legenot.


Die Gelegegröße liegt bei 8-20 Eiern , wobei junge Schlangen als nur 4-12 Eier legen im Gegensatz zu Älteren. Setzt eine Kornnatter ein zweites Gelege ist das viel kleiner wie das erste. In Florida wurde von einer Kornnatter berichtet die 37 Eier ablegte und es gab auch eines das 45 umfasste, die auch alle ausschlüpften. Die Schlange verliert dabei an Gewicht ungefähr 30-50 % und braucht danach sehr hochwertiges und ausreichendes Futter.



Inkubation und Schlupf

Brutpflege ist nicht so die Sache der Kornnatter das sieht man meist nur bei Vipern und Pythons. Die um ringeln die Eier und bewacht sie bei der Natter ist nach der Eiablage ihre “Schuldigkeit” getan, die Eier und später auch die Jungtiere sind auf sich alleine gestellt. Eier sind von der Kornnatter flexibel und weichschalig , sie besteht aus einer Faserschicht (Eimembran)und einer Calciumcarbonat aufgebaut. In der Eischale sind Poren vorhanden durch die der Flüssigkeit - und Gasaustausch stattfindet. Reptilieneier haben große Dotter 50-70 % des Eies , mehr als der Embryo braucht , die übrige Menge dient als Energiereserve des Jungtieres nach dem Schlupfen. Im Terrarium werden die Eier künstlich inkubiert dazu werden sie vorsichtig in eine Inkubator gesetzt , meist kleben sie so sehr zusammen ,wie eine Traube, das man sie gut nehmen kann. Inkubationsubstrat wie zb. Vermiculite , Perlite oder Schaumstoffwürfel , aber auch Sphagnummoos , Erde , Seramis oder Sand- Torf- Gemisch kann man verwenden. Das Substrat
sollte sauber und wenn es geht durch Hitzeeinwirkung desinfiziert sein. Die Temperatur zum Ausbrüten sollte 26-30 Grad sein , am günstigsten wären 28 Grad. Die Luftfeuchtigkeit und die Substratfeuchtigkeit sind am wichtigsten, weil es sonst zu Wassermangel im Ei kommt, da sie die Feuchtigkeit aufnehmen. Auch für ausreichende Belüftung ist zu sorgen, entweder durch Luftlöcher oder durch alle 2-3 Tagen durch kurzes Öffnen. Die Schlupfdauer beträgt ungefähr 60-80 Tage. Man sieht es durch Einfallen oder Faltenbildung der Eier , die Schlüpflinge haben einen Eizahn mit dem sie das Ei aufschlitzen. So kommen sie nach und nach an die Oberfläche bei Störungen ziehen sie sich aber sofort wieder zurück, sie verweilen nach dem Öffnen noch 2-3 Tagen im Ei und ernähren sich vom Eidotter, aber alle Schlüpflinge sind innerhalb 1 Woche ausgeschlüpft. Wenige Stunden danach fällt der Eizahn ab. Sie sind schon 20-30cm lang und wiegen ca. 5-10 g. Manche Eier sind auch verdorben man merkt es an der grünlich gelbe Farbe oder am Schimmelgeruch, man müsste sie sofort entsorgen, manchmal ist es problematisch zusammenhängende Eier zu entfernen, in so einem Falle ist es besser sie beim Gelege zu lassen. Allerdings kann es passieren das dann die gesunden Eier angesteckt werden. In manchen Fällen passiert es das die Jungtiere es nicht schaffen alleine zu schlüpfen aber wir können keine Schlupfhilfe geben da die Gefahr zu groß ist das die Tiere sterben.



Aufzucht

Da der Unterschied zu groß ist zwischen erwachsenen Tieren und Jungtieren muß man sie immer trennen. Jungtiere kann man in Gruppen halten, als auch einzeln aufzuziehen. Beim Füttern ist es gut sie zu trennen da sie beim Fressen noch recht nervös sind , auch der Aspekt “kannibalische Übergriffe” sollte nicht vergessen werden, darum sollte bei Mehrhaltung getrennt gefüttert werden. In den ersten Wochen sollte man etwas wärmer und feuchter das Terrarium halten , als Bodenuntergrund eignet sich Küchenpapier oder Walderde , Sand - Erdegemisch . Verschiedene Rindenstücke oder umgedrehte Tonschalen, es eignen sich auch halbierte Toiletten-oder Küchenpapierrollen. Ein Kletterast und ein Wassergefäß macht das Terrarium perfekt. In den ersten Wochen sollte man sie alle 4-8 Tage gefüttert werden, wobei nicht so viel auf einmal geben soll wegen der Verdauung . Das könnte nämlich zu Erbrechen führen , auch zu kalt im Terrarium kann so etwas auslösen. Am Anfang kann es zu Problemen beim Füttern kommen man sollte der Schlange die nestjunge Maus vor die Schnauze halten oder Abwehrbisse provozieren. Vor einer Zwangsfütterung ist zu warnen , man sollte es mit Geduld und Fingerspitzengefühl probieren und erst nach 6-8 Wochen nicht fressen es als letzte Möglichkeit mit zwangsfüttern probieren.


Missbildungen

Tiere die missgebildet zur Welt kommen sollte man gleich beim Tierarzt einschläfern lassen. Alternativ kann man sie auch an einen schlangenfressenden Tierhalter abgeben. “Kümmerer” sollten aussortiert werden und nicht mehr zur Zucht genommen werden, Geschwistertiere sollte man nicht verpaaren sondern immer von verschiedenen Elterntiere nehmen.